Diamanten sind tatsächliche Urgesteine, bilden sie sich doch unter
großem Druck und hohen Temperaturen tief unter der Erde. Druck misst man
bekanntlich in Bar und um an daran zu kommen, müssen Diamanten
gehandelt werden. Herr Rapaport hat hierfür ein Barometer entwickelt,
den Rapaport Diamonds Trade Index. Ähnlich anderer Indices bietet auch
dieser ein Spiegelbild oder vielleicht auch Diapositiv der momentanen
Situation, wie sie sich den Investoren und Liebhabern kaum verrückbarer
Güter zeigt. Dass Staubfänger die Aufgabe haben, die kleinsten
Bewegungen anhand sich verschiebender Reinigungsgrenzen aufzuzeigen, mag
Diamanten als Urgesteine kosmischen Staubs nicht unbedingt in die Nähe
wertlosen Plunders rücken. Vielmehr sind sie nicht nur chemisch eine
Mischung zwischen flüchtigen und festen Elementen. Sensibel wie der
Rohölpreis wirkt sich eine Förderungsdrosselung umgehend auf die
Bestückung der (Lang)Finger aus und auch Bohrer stehen still, werden
doch Diamanten der B-Klasse aufgrund ihrer Härte vornehmlich in der
Industrie eingesetzt. Andererseits bewegen fallende Aktien und
stagnierende Volkswirtschaften die Bürger dazu, sich schwerfällige
Investmentziele wie Gold oder eben Diamanten zu setzen, diese zu kaufen
und in den Keller zu stellen, in der Hoffnung, man könne auch in hoch
inflationären Zeiten immer noch auf die Volksweisheit hoffen, dass
diamonds forever sind. Sicher haben sie einiges an dunklen erd- und
menschheitsgeschichtlichen Episoden ohne einen Kratzer überlebt.
Andererseits sind es doch wir Menschen, die ihnen jene Form geben, die
sie für uns so wertvoll macht.
Druck muss entweichen - mitunter in
der Kunst. So findet sich auch in Pieter Bruegel, d. Ä. Schlechter Hirte
ein Anflug ironischer Anspielung darauf, wie man als gestresster
Manager (denn was bitte sind Hirten denn anderes?) dem Erfolgsdruck
entweichen kann: durch Flucht bzw. Standortverlagerung/Outsourcing. Denn
wo die Wölfe wüten, lohnt es sich nicht neue Schafe zu züchten. Wem
dient Best Practice, wenn dadurch die Herde den Anschluss verliert? So
ähnlich fahrlässig scheinen die Wirtschaftsbosse momentan ihre
Schutzbefohlenen (Aktionäre) im Regen stehen zu lassen. Jene wiederum
schauen sich nicht nur zur Weihnachtszeit nach verlässlicheren Hirten
um, Dass Diamanten nicht (für jedermann) an der Börse gehandelt werden
und es ungleich Gold, Silber, Platin oder Öl keine Derivate auf den
Edelstein bzw. einen geregelten Markt gibt, mag ihn für die Investoren
demnach wohl doch weniger zum sicheren Hafen bei wogenden Aktienkursen
machen. Und dass, obwohl Karat in Stein gemeißelt sind und meist an
dicken Ketten hängen...



