B2B war gestern, es folgt C2C, was
unter anderem Cradle to Cradle bedeutet und das Cradle-to-Grave-Prinzip
quasi per Top-Down-Ansatz auf den Kopf stellt. Und wenn selbiger jetzt
schmerzt, möge folgende Erklärung Erleichterung bringen.
Dass man aus dem Trigema-Inhaber Wolfgang Grupp trotz eigensinniger
Führungsphilosophie keinen Affen macht, hat der Mann aus Burladingen
auch mit Hinsicht auf sein ökologisches Verständnis bewiesen. Als
erstes deutsches Unternehmen hat Trigema kompostierbare T-Shirts auf
den Markt geworfen und damit das Selbstverständnis der Bringsysteme ein
wenig ins Wanken gebracht Sicher ist nicht zu befürchten, dass dadurch
die Altkleidercontainer verwaisen, doch muss man zugeben, dass die
Anwendung von C2C auf
Bekleidungsstücke ohne Zweifel einen vorläufigen Höhepunkt im
ökologischen Kreislauf der Wiederverwertbarkeit markiert. Hat man sich
in der Vergangenheit also gefragt, ob auch Festplatten feierliche
Reinkarnationen begehen dürfen, wird man nun jenseits binärer Codes
feststellen, dass Computer (oder zumindest jede Komponente für sich)
mehr als ein Leben haben, können sie doch die technischen Lebenszyklen
mehrmals durchlaufen. Bringt man also kompostierbare Schuhe und
Scharniere zum Hersteller zurück, spart dieser Kosten für Rohstoffe und
Energie und ist dann selbst in der Bringschuld in dem Sinne, dass er
seinen Kunden einen Stück vom Recycling-Kuchen abgibt.
Wer andererseits wissen möchte, ob das Ergebnis für Konsum(m)enten bezüglich deren Konditionierung auf Bringsysteme unterm Strich eine runde Sache ist, der möge Sigrid Faltin fragen. Die Autorin von Scheiterst du noch oder schraubst du schon? beschreibt eindrucksvoll, wie sich ehemalige Hol- zu Bringsystemen gewandelt und damit nicht nur beim Abfall die Neigung der Industrie abnimmt, Service zu bieten. Stattdessen opfert jeder kostbare Zeit, um Gemüse selber abzuwiegen, Altglas zu trennen und sich damit letztendlich auch vom Gedanken zu verabschieden, dass der Müll etwas wert sei.
Und doch, er ist es. Je toxischer, desto besser. Dafür liefert die Pfandregelung ein sehr gutes Beispiel. Je mehr Energie nämlich aufgewendet werden muss, um beispielsweise eine Einweg-Getränkeverpackungen in Granulat und dann wieder in neue Einweg-Getränkeverpackungen zu verwandeln, je höher ist das Pfand - und damit auch der Run auf die 25 Cent . Während Mehrwegflaschen bis zu 50-mal befüllt werden und damit nur zwischen acht und 15 Cent Pfand abwerfen, sind die eigentlichen Umweltsünder bares Geld, welches auf der Straße liegt und mehr und mehr Menschen als zusätzliche (wenn auch nicht üppig sprudelnde) Einnahmequelle dient. So hat das Pfand nicht nur das Umweltgewissen und die Mülltonnen erleichtert, sondern auch die Straßen und Bürgersteige ein Stück weiter sauberer und gleichzeitig belebter gemacht. Je tiefer nämlich die Wirtschaftskrise und die Armut in die Struktur der Gesellschaft einschneiden, je höher sind die Anzahl und auch das Bewusstsein für jene Menschen, welche ihre karge Transferleistung mit dem Sammeln und Einlösen von Pfandflaschen ein Stück weit aufbessern.
Sollten Unternehmen irgendwann dazu übergehen, auch Pfand auf ihre Shirts oder Schrauben zu erheben, bleibt zu hoffen, dass letztere trotzdem nicht locker lassen, um festzuhalten, was bisweilen verloren geht: Umweltschutz ist Bringschuld für jeden, auch in der Hinsicht, dass Information allen rechtzeitig und umfassend zur Verfügung stehen. Und wenn man sich nun dazu hingerissen fühlen, dass es alles - ach - doch der Teufel holen solle, kann man beruhigt sein. So hat sich der Beelzebub schon immer als sehr flexibel erwiesen, was das Bringen oder auch Holen verlorener Seelen und Sünder angeht. Die Hauptsache ist, dass sie alle letztendlich dort sind, wo schwer kompostierbare Altlasten abgeladen werden. Und wenn wir schon bei Wut, Monstern und T-Shirts sind, bleibt noch zu sagen, dass Hulk sich als grüner testimonial prima für einen gemeinsamen Werbespot der Textilindustrie eignen würde.



